DEMOKRATIEWERKSTÄTTEN

Demokratiewerkstätten sind Arbeitsgemeinschaften von Schülern, Studenten, Bürgern oder Soldaten, die sich in ihrem Lebens- und/oder Bildungszusammenhang freiwillig mit Politik beschäftigen und in einem zweiten Schritt als "Peers" zu politischen Bildnern für ihre Mitschüler/innen, Kommiliton/innen, Mitbürger/innen und Kamerad/innen werden.

 Die sieben Prinzipien der Demokratiewerkstatt:

  • Ehrenamtlichkeit
  • Keine Interessenvertretung - ein Bildungsarrangement
  • Nähe und Nachhaltigkeit
  • Überparteilichkeit - Unabhängigkeit - Neutralität
  • Selbstorganisation, Selbstbestimmung und Bildungspartnerschaft
  • Spaß und Ungezwungenheit Raum geben, aber auch Verbindlichkeit pflegen und auf Wunsch Betreuung bieten
  • Sprachgleichheit und Bildungspartnerschaft - Jugendliche als politische Bildner

Demokratiewerkstätten (DWen), das ist ein in der Praxis erprobtes und wissenschaftlich fundiertes Konzept, um Jugendliche wieder an die Politik heranzuführen. Seit Jahren sprechen alle einschlägigen Jugendstudien, von Shell bis zur IEA, von der Entfernung zwischen der Jugend und der institutionell verfassten Politik. Hier können Demokratiewerkstätten helfen, beide Seiten wieder miteinander ins Gespräch zu bringen. Zwar setzt das Konzept bei den Jugendlichen an, doch die "erwachsene" Politik ist nicht minder gefordert, auf die Jugend zuzugehen. Auch hier setzt das Projekt Maßstäbe. Und da das Phänomen der Politik(er)verdrossenheit nicht auf die Jugend beschränkt ist, wendet sich "Demokratiewerkstätten" auch an andere Lebenszusammenhänge, wie eine Kommune oder Stadt, sogar an die Bundeswehr - eben all die Orte, wo es "politisch" ist, oder zumindest systematisch politisch gebildet wird. Auch, wenn man das nicht gleich bemerkt.

Demokratiewerkstätten sind somit Orte in denen Jugendliche zum Bildungspartner werden und die politische Bildung anders erlebt, attraktiv(er) und lebendig - ja, zum Lernanlass selbst - wird. Als politische Lernwerkstatt, die von den Jugendlichen für sich und ihr eigenes Umfeld selbstorganisiert und selbstbestimmt in ehrenamtlicher Arbeit gestaltet wird, verfolgt sie das Ziel der Förderung von Bildung, bürgergesellschaftlicher und politischer Handlungskompetenz und Engagements für die Demokratie. Durch das besondere methodisch-didaktische Konzept der Demokratiewerkstätten werden nicht nur vielfältige Lernziele erreicht, sondern auch neue Orte, neue Formen und vor allem neue Allianzen bzw. Partner und (ehrenamtliche) Bildner für eine moderne politische Bildung erschlossen.

Darüber hinaus haben wir einen Leitfaden entwickelt, der es anderen Menschen ermöglichen soll, selbst solche Demokratiewerkstätten zu gründen und zu betreuen. Das Konzept selbst, seine Prinzipien und Ausgestaltungen, vor allem aber notwendige Ressourcen finden sich hier, auch in elektronischer Form auf der dazu gehörigen Methoden- und Themenkiste auf CD-ROM. Wir erhoffen uns hiervon eine Streuung des Projekts, würden aber Wert darauf legen, dass sich anschließend möglichst viele dieser Demokratiewerkstätten wieder zu einem von uns betreuten Netzwerk zusammen schließen könnten, um sich in ihrer Arbeit gegenseitig zu befruchten.

Wir glauben, dass es hervorragend dazu geeignet sein kann, punktuell vorhandenes politisches Interesse aufzugreifen und zu vertiefen, indem es niedrigschwellige Bildungssituationen schafft, in die sich jede/r einbringen kann. Durch die direkte Beschäftigung mit ihrem Lebensumfeld kann es den Teilnehmer/innen gelingen, sich stärker damit zu identifizieren - so entsteht das, was wir die "junge Bürgergesellschaft" nennen. Nur mit solchen auf Langfristigkeit angelegten Prozessen können wir gesellschaftliche Phänomene wie Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit marginalisieren helfen.

Einige Stimmen zu den Demokratiewerkstätten:

  • "Ich mache mit, weil ich mich politisch aktiv betätigen, aber mich nicht parteispezifisch an eine Jugendorganisation binden wollte." (Schülerin der gymnasialen Oberstufe)
  • Eine DW ist "das gemeinsame Projekt einer Gruppe mit dem gemeinsamen Ziel, u.a. das Spannende an Politik zu erfahren." (OStR an einem hessischen Gymnasium)
  • "Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler 'lernen' Engagement und Selbständigkeit, steigen aktiv in die Erziehung zu politisch mündigen Bürgern ein, das ist auf alle Fächer übertragbar und somit ein Gewinn für die ganze Schule." (StDin an einer hessischen Gesamtschule)
  • "Die Schule kann ihr Engagement publik machen und so eine Position im lokalen politischen Umfeld finden." (OStDin, Mitglied der Schulleitung)

Zu dem Projekt ist mittlerweile ein Leitfaden (mit CD-ROM) erschienen, den Sie mittels unseres Faxformulars hier bestellen können:

Rudolf, K./Wicker, A. (2003): Demokratiewerkstätten - Keimzellen der Jungen Bürgergesellschaft. Neue Orte und Formen politischer Bildung: Leitfaden zum Konzept inkl. Methoden- und Themenkiste. Verlag Institut Junge Bürgergesellschaft im Büdinger Kreis. Büdingen/Hessen. ISBN: 3-93745-301-6